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Clean Point und Clean Date
Wie Sie nach einer Reklamation den Stichtag für saubere Ware festlegen, wie lange beim Kunden noch verdächtige Teile liegen und wie Sie Gutteile so kennzeichnen, dass der Wareneingang gute und verdächtige Lieferungen sicher trennt.
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Die Begriffe: Clean Date, Clean Point, Kennzeichnung
Nach einer Reklamation muss Ihr Kunde zwei Arten von Ware auseinanderhalten: verdächtige, die gesperrt oder sortiert werden muss, und saubere, die er ohne Bedenken verbauen kann. Dafür stehen in D3 des 8D-Berichts zwei Angaben.
Das Clean Date ist der Stichtag, ab dem jede Lieferung nachweislich frei von dem Fehler ist – weil sie zu 100 % geprüft wurde oder aus einem nachweislich korrigierten Prozess stammt. Der Clean Point ist die Stelle in der Lieferkette, an der man das erkennt: meist die erste Lieferung mit Lieferscheinnummer und Los, ab der nur noch saubere Ware fließt. Viele Kunden verwenden beide Begriffe fast gleich. Sicher ist, beides anzugeben – zusammen mit der Kennzeichnung, an der der Wareneingang die saubere Ware sieht.
| Angabe | Beantwortet die Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Clean Date | Ab wann ist die Ware sauber? | Fertigung ab 13.10., 06:00; Versand ab 14.10. |
| Clean Point | Woran erkennt der Kunde die erste saubere Lieferung? | Lieferschein 80 41 233, Lose F-4417 und F-4418 |
| Kennzeichnung | Wie sieht der Wareneingang das am Packstück? | Zusatzetikett »8D 26-118 – Länge 100 % geprüft« und gelber Punkt auf dem Warenanhänger |
| Letzte verdächtige Lieferung | Was muss der Kunde noch sperren? | alle Lieferungen dieses Teils bis Lieferschein 80 41 229 |
Warum ein Datum allein nicht reicht
Ein Clean Date ohne Kennzeichnung nützt dem Wareneingang wenig. Er sieht am Behälter nicht, wann die Teile gefertigt wurden, und das Lieferdatum sagt nichts über das Fertigungsdatum: Ein Behälter, der heute ankommt, kann Teile aus der Vorwoche enthalten, wenn er so lange in Ihrem Versandlager stand.
Entscheidend ist deshalb die Rückverfolgbarkeit: Fertigungslos → Behälter → Lieferschein. Nur wenn Sie für jedes Los wissen, in welchen Behältern und auf welchem Lieferschein es ging, können Sie die letzte verdächtige und die erste saubere Lieferung benennen. Wer das nicht kann, muss die Verdachtsmenge großzügig ziehen – und der Kunde sortiert mehr, auf Ihre Kosten.
Drei Fallen liegen im eigenen Haus:
- Restbestände im Lager: Ältere Ware, die nach dem Stichtag versandt wird, ist nicht sauber, nur weil das Versanddatum passt. Sperren oder sortieren Sie den gesamten Bestand aus der Zeit vor dem Clean Date.
- Angebrochene Behälter: Restmengen aus einem verdächtigen Los, mit neuen Teilen aufgefüllt, ergeben einen Mischbehälter. Untersagen Sie das Auffüllen, bis die Reklamation abgeschlossen ist.
- Rücklieferungen und Nacharbeit: Teile, die vom Kunden zurückkamen und sortiert wurden, gehen nur gekennzeichnet und mit eigenem Lieferscheinvermerk wieder hinaus.
Das Clean Date richtig festlegen
Arbeiten Sie den Stichtag vom Prozess aus, nicht vom Kalender. Sechs Schritte:
- 1. Zeitpunkt der Absicherung: Ab welcher Schicht wird jedes Teil geprüft oder läuft der Prozess nachweislich korrigiert? Beispiel: ab Dienstag, 06:00.
- 2. Erstes sauberes Los: Welches Los beginnt nach diesem Zeitpunkt? Lose, die über den Zeitpunkt hinweg laufen, gelten als verdächtig.
- 3. Bestand davor: Alles, was vorher gefertigt wurde und noch im Haus ist, wird gesperrt oder sortiert und erst mit Kennzeichnung versandt.
- 4. Erste saubere Lieferung: Welcher Lieferschein enthält nur Teile aus Schritt 2 oder sortierte Teile aus Schritt 3? Das ist der Clean Point.
- 5. Ankunft beim Kunden: Wann trifft diese Lieferung ein? Nennen Sie im 8D Versand- und voraussichtliches Eingangsdatum.
- 6. Bestände dazwischen: Was zwischen der letzten verdächtigen und der ersten sauberen Lieferung unterwegs oder beim Kunden liegt, wird sortiert, getauscht oder gesperrt.
Schreiben Sie immer dazu, welches Datum gemeint ist. »Clean Date 14.10.« ist mehrdeutig; »Fertigung ab 13.10., 06:00; Versand ab 14.10. mit Lieferschein 80 41 233; Eingang beim Kunden 15.10.« ist es nicht.
Durchgerechnet: Wie lange noch verdächtige Ware beim Kunden liegt
Selbst mit einem sauberen Clean Point erreicht die gekennzeichnete Ware die Linie des Kunden erst, wenn sein Bestand verbraucht ist – er arbeitet nach dem Prinzip »first in, first out«. Diese Reichweite rechnen Sie aus und schreiben sie in D3. Dann ist klar, welche Bestände sortiert werden müssen.
Fiktiver Fall: Der Kunde verbaut 1.800 Teile je Arbeitstag. Zum Zeitpunkt der Reklamation liegen 9.000 Teile in seinem Lager, 5.400 im Konsignationslager (ein Lager beim Kunden, dessen Ware erst bei Entnahme berechnet wird) und 3.600 sind unterwegs.
| Ort | Menge | Reichweite bei 1.800 Teilen je Arbeitstag |
|---|---|---|
| Lager des Kunden | 9.000 | 9.000 ÷ 1.800 = 5,0 Arbeitstage |
| Konsignationslager | 5.400 | 5.400 ÷ 1.800 = 3,0 Arbeitstage |
| Transit | 3.600 | 3.600 ÷ 1.800 = 2,0 Arbeitstage |
| Summe | 18.000 | 10,0 Arbeitstage |
Ohne Sortierung käme das erste gekennzeichnete Teil erst nach zehn Arbeitstagen an die Linie – zehn Tage verdächtige Teile im Verbau akzeptiert kaum ein Kunde. Daraus folgt für D3: Bestände beim Kunden und im Transit sortieren oder gegen geprüfte Ware tauschen. Der Clean Point an der Linie ist dann der Moment, ab dem nur noch sortierte oder neue Ware verbaut wird.
Kennzeichnung: Teil, Packstück, Papier
Die Kennzeichnung muss ohne Öffnen der Verpackung erkennbar sein und bis an die Linie halten. Legen Sie sie mit dem Kunden fest – manche Kunden haben eigene Farben und Texte, und ein grüner Punkt kann dort schon etwas anderes bedeuten.
Verwenden Sie auf allen Ebenen denselben Wortlaut mit derselben Reklamationsnummer. Dann kann der Wareneingang ohne Rückfrage zuordnen. Mehr zur Kennzeichnung sortierter Ware steht unter Sortierprotokoll.
| Ebene | Übliche Kennzeichnung | Worauf achten |
|---|---|---|
| Teil | Farbpunkt mit Lackstift, Prägung oder Datumscode | nur mit Zustimmung des Kunden; nie auf Funktions-, Dicht- oder Sichtflächen |
| Verpackungseinheit | Zusatzetikett mit Reklamationsnummer, »geprüft auf …«, Datum, Prüferkürzel | auf zwei Seiten, nicht über dem Barcode des Warenanhängers |
| Ladungsträger | farbiges Palettenblatt oder Anhänger | bleibt sichtbar, wenn Paletten gestapelt sind |
| Lieferschein | Vermerk »Clean Point 8D 26-118 – nur geprüfte Ware« | auf der ersten und allen folgenden Lieferungen, bis der Kunde aufhebt |
| Elektronischer Lieferavis | Hinweis im Freitextfeld, wenn das System des Kunden ihn anzeigt | nie die einzige Kennzeichnung |
Wie lange die Kennzeichnung bleibt – und wenn der Clean Point bricht
Die Kennzeichnung bleibt, bis der Kunde sie schriftlich aufhebt. Üblich ist eine Bedingung wie »fünf saubere Lieferungen in Folge« oder »bis zum Abschluss von D6«. Heben Sie sie nicht selbst auf, auch wenn die Abstellmaßnahme schon läuft: Ein Packstück ohne Kennzeichnung wird beim Kunden sonst wieder zum Verdachtsfall.
Taucht nach dem Clean Date erneut ein Fehlteil auf, prüfen Sie zuerst anhand der Rückverfolgung, ob es wirklich aus der Zeit danach stammt. Oft ist es ein älteres Teil aus einem übersehenen Bestand. Stammt es tatsächlich aus der Zeit danach, ist der Clean Point gebrochen: neue Eindämmung, neue Verdachtsmenge, geänderte Kennzeichnung (zum Beispiel eine andere Farbe), Information an den Kunden am selben Tag – und in D4 die Frage, warum die Absicherung nicht gegriffen hat.
Ein gebrochener Clean Point kostet viel Vertrauen und ist ein typischer Auslöser für Controlled Shipping. Nennen Sie deshalb lieber ein späteres Clean Date, das hält, als ein frühes, das bricht.
Beispiel: D3 mit Clean Date und Clean Point
Fiktiver Fall. Ein Federnhersteller liefert Druckfedern mit einer ungespannten Länge von 25,0 ± 0,4 mm. Der Kunde reklamiert am Montag, 12.10., 46 Federn mit 24,2 bis 24,5 mm Länge, gefunden bei der Kraftprüfung seiner Baugruppe. So steht D3 im Bericht:
- Verdachtszeitraum: Windeautomat 3 vom 05.10., 06:00 (letzter Werkzeugwechsel), bis 12.10., 14:00 (Maschine angehalten); Lose F-4398 bis F-4416, 41.000 Federn.
- Gesperrt und sortiert: eigenes Lager 12.500 Federn, mit Längenlehre 24,6/25,4 mm geprüft: 214 n. i. O.; Transit 8.000, zurückgeholt und geprüft: 131 n. i. O.; beim Kunden 14.300, geprüft durch einen Sortierdienstleister: 287 n. i. O.; 6.200 bereits verbaut, Risikobewertung gemeinsam mit dem Kunden im Anhang.
- Absicherung im Prozess: ab 13.10., 06:00, Längenprüfung zu 100 % im Auslauf des Windeautomaten mit automatischer Aussortierung, bis die Abstellmaßnahme eingeführt ist.
- Clean Date: Fertigung ab 13.10., 06:00; Versand ab 14.10.; Eingang beim Kunden 15.10.
- Clean Point: Lieferschein 80 41 233 mit den Losen F-4417 und F-4418. Alle folgenden Lieferungen nur aus Losen ab F-4417 oder aus sortiertem Bestand. Letzte verdächtige Lieferung: Lieferschein 80 41 229.
- Kennzeichnung: Zusatzetikett »8D 26-118 – Länge 100 % geprüft« auf zwei Seiten jedes Kartons, gelber Punkt auf dem Warenanhänger, Vermerk auf dem Lieferschein; gilt bis zur schriftlichen Aufhebung durch den Kunden.
Mit diesen Angaben ordnet der Wareneingang jede Lieferung ohne Rückfrage zu: bis Lieferschein 80 41 229 verdächtig, ab 80 41 233 sauber und gekennzeichnet; dazwischen wurde dieses Teil nicht geliefert.
Prüfliste für D3
Bevor D3 an den Kunden geht, sollten diese Angaben vollständig sein. Den ganzen Bericht füllen Sie im 8D-Report-Werkzeug aus; mehr zur Eindämmung steht unter D3 Sofortmaßnahmen.
- Verdachtszeitraum mit Begründung: seit wann, bis wann, warum gerade dann
- Mengen je Ort: Haus, Transit, Kunde, Konsignationslager, bereits verbaut
- Sortierergebnis je Ort mit Prüfmittel und Kriterium
- Clean Date mit Fertigungs-, Versand- und Eingangsdatum
- Clean Point: Lieferscheinnummer und Lose der ersten sauberen Lieferung
- letzte verdächtige Lieferung
- Reichweite der Bestände beim Kunden und was mit ihnen geschieht
- Kennzeichnung auf Packstück, Ladungsträger und Lieferschein, mit dem Kunden abgestimmt
- Bedingung, unter der die Kennzeichnung aufgehoben wird
Häufige Fragen
Was ist ein Clean Point?
Der Clean Point ist die Stelle in der Lieferkette, ab der nur noch fehlerfreie Ware fließt – meist die erste Lieferung mit bestimmter Lieferscheinnummer und bestimmten Losen. Er gehört zusammen mit dem Clean Date und der Kennzeichnung in D3 des 8D-Berichts.
Gilt das Clean Date ab Fertigung oder ab Lieferung?
Das legt der Kunde fest; ohne Vorgabe meinen viele das erste Versand- oder Eingangsdatum sauberer Ware. Schreiben Sie deshalb alle drei Daten in den Bericht: Fertigung ab, Versand ab, Eingang beim Kunden. Dann gibt es keine Missverständnisse.
Wie kennzeichne ich Gutteile nach einer Reklamation?
Üblich ist ein Zusatzetikett mit Reklamationsnummer und Prüfvermerk auf jeder Verpackungseinheit, ein Farbpunkt auf dem Warenanhänger und ein Vermerk auf dem Lieferschein. Eine Kennzeichnung am Teil selbst nur mit Zustimmung des Kunden. Die Form stimmen Sie mit dem Kunden ab.
Was tun, wenn nach dem Clean Date wieder ein Fehlteil auftaucht?
Zuerst über die Rückverfolgung klären, ob das Teil wirklich nach dem Clean Date gefertigt wurde. Wenn ja: sofort neu eindämmen, neue Verdachtsmenge bestimmen, Kennzeichnung ändern und den Kunden am selben Tag informieren. In D4 gehört dann auch die Frage, warum die Absicherung versagt hat.
Wer legt das Clean Date fest?
Sie als Lieferant schlagen es vor, weil nur Sie wissen, ab wann der Prozess abgesichert ist. Der Kunde muss es akzeptieren und seine Bestände danach steuern. Ein Clean Date, das Sie nicht halten können, schadet mehr als ein späteres, das stimmt.