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Q-Meldung (Qualitätsmeldung) verstehen und beantworten
Was in einer Q-Meldung des Kunden steht, welche Nummer wofür gebraucht wird, was der Kunde mit der Meldung von Ihnen erwartet und wie eine erste Antwort aussieht – an einem Beispiel Feld für Feld.
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Was eine Q-Meldung ist
Eine Q-Meldung (Qualitätsmeldung) ist ein Datensatz im ERP- oder Qualitätssystem des Kunden, mit dem er einen Qualitätsmangel erfasst. Richtet sich die Meldung gegen einen Lieferanten, ist sie für Sie eine Reklamation. Sie erreicht Sie als PDF im Anhang einer E-Mail, als Eintrag im Lieferantenportal oder als Ausdruck an zurückgeschickten Teilen.
Viele Systeme unterscheiden Meldungsarten, etwa für Reklamationen von Kunden, Reklamationen gegen Lieferanten und interne Problemmeldungen; Kürzel und Namen unterscheiden sich je System. Für Sie zählt die Art, die sich gegen den Lieferanten richtet. Andere Namen für dasselbe sind Mängelrüge, Prüfbericht, englisch »Non-Conformance Report« (NCR). Ein »Supplier Corrective Action Request« (SCAR) ist die ausdrückliche Aufforderung, Ursache und Abstellmaßnahme zu liefern – meist als 8D-Bericht.
Die Q-Meldung ist der Auslöser, nicht die Antwort. Was danach zu tun ist, steht unter Kundenreklamation bearbeiten; dieser Artikel hilft beim Lesen der Meldung und bei der ersten Rückmeldung.
Der rechtliche Rahmen: Untersuchen und rügen
Ist der Kauf für beide Seiten ein Handelsgeschäft, muss der Käufer die Ware unverzüglich nach der Ablieferung untersuchen, soweit das im ordnungsgemäßen Geschäftsgang machbar ist, und einen Mangel dem Verkäufer unverzüglich anzeigen (§ 377 Abs. 1 HGB). Unterlässt er die Anzeige, gilt die Ware als genehmigt – außer bei Mängeln, die bei der Untersuchung nicht erkennbar waren (Abs. 2). Zeigt sich ein solcher Mangel später, muss die Anzeige unverzüglich nach der Entdeckung erfolgen (Abs. 3). Zur Erhaltung der Rechte genügt die rechtzeitige Absendung der Anzeige (Abs. 4).
In der Praxis ist die Q-Meldung oft die Form, in der diese Anzeige bei Ihnen ankommt. Viele Qualitätssicherungsvereinbarungen (QSV) regeln die Wareneingangsprüfung des Kunden abweichend, häufig beschränkt auf Identität, Menge und äußerlich erkennbare Transportschäden. Was in Ihrer QSV steht, entscheidet mit darüber, ob eine späte Meldung noch rechtzeitig ist. Wie Kosten aus einer Reklamation verlangt und geprüft werden, steht unter Belastungsanzeige.
Eine Q-Meldung einfach liegen zu lassen, weil sie »zu spät« kam, ist selten eine gute Idee. Klären Sie die Frist mit Blick auf Ihre QSV – und schützen Sie den Kunden trotzdem.
Aufbau einer Q-Meldung
Q-Meldungen sehen je System anders aus, enthalten aber fast immer dieselben Bereiche. Die Tabelle zeigt, was Sie in jedem Bereich suchen und wofür Sie es brauchen.
| Bereich | Typischer Inhalt | Wozu Sie es brauchen |
|---|---|---|
| Kopf | Meldungsnummer, Meldungsart, Datum und Uhrzeit, Werk, Ersteller als Rolle oder Abteilung, Priorität | Frist beginnt mit dem Eingang; Priorität zeigt die Dringlichkeit |
| Teil | Materialnummer des Kunden, oft auch Ihre Teilenummer und der Zeichnungsindex | Zuordnung zu Ihrem Teil und dem gültigen Zeichnungsstand |
| Bezug | Bestellnummer, Lieferschein, Wareneingangsbeleg, Charge des Kunden | Der Lieferschein führt zu Ihrem Los |
| Mengen | Liefermenge, geprüfte Menge, beanstandete Menge, Rücksendemenge | Grundlage für Verdachtsmenge, ppm und Kosten |
| Fehler | Fehlerort am Teil, Fehlerart als Code und Text, Fotos, Messwerte | Startpunkt für D2, die Problembeschreibung |
| Fundort | Wareneingang, Fertigung, Montage, Endkunde | Zeigt, wie weit der Fehler gekommen ist und wie dringend D3 ist |
| Forderungen | Sofortmaßnahme bis, 8D ja oder nein, Fristen, Rücksendung, Sortierung, Verschrottung | Ihr Arbeitsauftrag mit Terminen |
| Kosten | Bearbeitungspauschale, Hinweis auf spätere Belastung | Getrennt vom 8D prüfen |
Die Nummern: welche wofür gebraucht wird
Eine Q-Meldung enthält oft ein Dutzend Nummern. Fünf davon brauchen Sie sofort, der Rest ist für die Buchhaltung des Kunden.
- Meldungsnummer des Kunden: gehört in jede Antwort, in den Betreff jeder E-Mail und in jeden Dateinamen. Ohne sie wird Ihre Antwort beim Kunden nicht zugeordnet.
- Ihre eigene Reklamationsnummer: legen Sie sofort an und nennen Sie in der ersten Antwort. Sie verbindet Ordner, Kosten und 8D-Bericht im eigenen Haus.
- Materialnummer des Kunden und Ihre Teilenummer: Eine Zuordnungsliste je Kunde verhindert, dass Sie das falsche Teil untersuchen.
- Lieferschein: die wichtigste Nummer, denn sie führt zu Ihrem Los und damit zur Verdachtsmenge. Wie diese Kette aufgebaut ist, steht unter Rückverfolgbarkeit.
- Rücksendenummer: Wenn der Kunde Teile zurückschickt oder Sie Fehlerteile anfordern, gehört sie auf den Begleitschein. Ohne sie bleiben Pakete im Wareneingang liegen.
- Fehlercode: stammt aus dem Fehlerkatalog des Kunden. Er beschreibt, was der Prüfer gesehen hat, nicht die Ursache. Fordern Sie den Katalog an, wenn Codes ohne Text kommen.
- Wareneingangsbeleg und Charge des Kunden: interne Nummern des Kunden. Sie sind nicht Ihre Los- oder Chargennummer – eine häufige Verwechslung.
Die wichtigste Zuordnung ist Lieferschein → eigenes Los. Gelingt sie nicht, ist die Verdachtsmenge so groß wie Ihr ganzer Bestand.
Was der Kunde aus der Q-Meldung erwartet
Manches steht in der Meldung, manches erwartet der Kunde stillschweigend. Die Fristen in der Tabelle sind verbreitete Vorgaben, keine Norm; was für Sie gilt, steht in der Meldung oder in der QSV. Bei einem Bandstillstand oder einem Fund beim Endkunden verkürzen sich die Fristen oft auf Stunden.
Auch eine Meldung mit dem Vermerk »nur zur Information« oder »kein 8D erforderlich« verdient eine kurze schriftliche Stellungnahme. Sie zählt beim Kunden meist trotzdem in der Statistik, siehe Lieferantenbewertung.
| Erwartung | Inhalt | Verbreitete Frist |
|---|---|---|
| Eingangsbestätigung | Meldung erhalten, Ansprechpartner, eigene Reklamationsnummer | wenige Stunden |
| Schutz des Kunden (D3) | Bestände gesperrt und sortiert – im eigenen Haus, unterwegs, beim Kunden; Clean Date | 24 Stunden |
| Fehlerteile | Anforderung oder Bestätigung der Rücksendung, Termin der Analyse | mit der Eingangsbestätigung |
| Ursache (D4) | Ursache des Auftretens und des Nicht-Entdeckens, bestätigt | 5 Arbeitstage |
| Abstellmaßnahmen (D5/D6) | Maßnahmen mit Termin, Wirksamkeitsnachweis | 10 Arbeitstage |
| Kosten | Anerkennung oder begründeter Widerspruch | nach Eingang der Belastung |
Fiktives Beispiel: eine Q-Meldung gelesen
Ein erfundener Tier-1 schickt am Mittwoch, 7.10.2026, um 14:20 Uhr folgende Q-Meldung an einen Druckgießer, der die Gehäusedeckel auch mechanisch bearbeitet:
| Feld der Meldung | Inhalt (fiktiv) | Was der Lieferant daraus macht |
|---|---|---|
| Meldungsnummer / Art | 200418733 / Lieferantenreklamation | In Betreff, Dateinamen, Antwort |
| Priorität | hoch – Bandstillstand 20 Minuten | D3 heute noch, nicht erst morgen |
| Material | 4471-220-03 (Gehäusedeckel), Lieferanten-Teilenummer GH-118, Index B | Index B ist der gültige Stand – passt |
| Bestellung / Lieferschein | 7730-2291 / 26-04471 vom 1.10.2026 | Lieferschein 26-04471 führt zu Los D-26-391 |
| Mengen | geliefert 1.440, geprüft 288, beanstandet 9 | 1.431 Teile beim Kunden noch verdächtig |
| Fehler | Code 0315 »Gewinde beschädigt«; Text: »Gewinde M5 an Pos. 3 nicht gängig, Schraube greift nicht« | Code sagt »beschädigt«, Text sagt »nicht gängig« – an den Fehlerteilen klären |
| Fundort | Montage, Werk 2 | Fehler ist am Band aufgefallen, nicht im Wareneingang |
| Forderungen | Sofortmaßnahme bis 8.10., 14:00 Uhr; 8D bis D4 in 5 Arbeitstagen; 9 Fehlerteile mit Rücksendenummer RS-7731 | D4 fällig am 14.10.2026 |
| Kosten | Bearbeitungspauschale wird gesondert belastet | Nicht in der D3-Antwort bestätigen; später prüfen |
Fiktives Beispiel: die erste Antwort
Der Lieferant findet über den Lieferschein sein Los D-26-391 mit 4.320 Teilen: 1.440 beim Kunden (Lieferschein 26-04471), 1.440 unterwegs (Lieferschein 26-04502, Ankunft 9.10.), 1.440 im eigenen Lager. Er sperrt alle drei Mengen, sortiert sein Lager noch am Abend und schickt am 8.10. einen Sortierdienstleister zum Kunden. Um 11:30 Uhr geht diese Antwort raus – zweieinhalb Stunden vor der Frist:
»Ihre Q-Meldung 200418733 vom 7.10.2026 – Gehäusedeckel GH-118, Index B (Ihre Materialnummer 4471-220-03), Lieferschein 26-04471. Unsere Reklamationsnummer: R-2026-044. Betroffen ist unser Los D-26-391 mit 4.320 Teilen. Unser Lager: 1.440 Teile gesperrt und zu 100 % geprüft, 11 n. i. O. Bei Ihnen: 1.431 Teile am 8.10. durch Sortierdienstleister zu 100 % geprüft, 23 n. i. O. Unterwegs: 1.440 Teile mit Lieferschein 26-04502, Sortierung bei Ankunft am 9.10. in Ihrem Wareneingang, Ergebnis folgt am selben Tag. Prüfmittel: Gewindegrenzlehrdorn M5-6H, Gut- und Ausschussseite. Clean Date: Lieferung vom 12.10.2026, jedes Behälteretikett mit Vermerk »R-2026-044 geprüft«. Die 9 Fehlerteile erwarten wir mit Rücksendenummer RS-7731; die Ursachenanalyse (D4) folgt bis 14.10.2026.«
Was die Antwort richtig macht: alle Nummern des Kunden und die eigene, Mengen je Ort mit Ergebnis, Prüfmittel, Clean Date, Kennzeichnung, nächster Termin. Was sie bewusst weglässt: Vermutungen über die Ursache und eine Aussage zu den Kosten. n. i. O. heißt »nicht in Ordnung«. Für die vollständige D3 hilft D3 Sofortmaßnahmen, für den Bericht das 8D-Report-Werkzeug.
Typische Fehler bei der Antwort auf eine Q-Meldung
Diese Fehler kosten Zeit, weil der Kunde nachfragen muss, oder Geld, weil er Ihre Antwort nicht zuordnen kann:
- Meldungsnummer fehlt in der Antwort oder im Betreff.
- Antwort an eine Absenderadresse ohne Postfach – viele Meldungen kommen von Adressen, die niemand liest. Den Ansprechpartner aus der Meldung direkt anschreiben.
- Mengen nicht abgeglichen: Die beanstandete Menge des Kunden wird ungeprüft übernommen, die eigene Sortierung zeigt eine andere Zahl. Beide Zahlen nennen.
- Fehlercode ungeprüft übernommen: Der Code sagt »Maßfehler«, an den Teilen ist es ein Grat. Für D2 gilt, was die Fehlerteile zeigen.
- Kosten nebenbei bestätigt: Eine Pauschale anzuerkennen kann richtig sein, Folgekosten ungeprüft zu bestätigen nicht.
- Unberechtigte Meldung stillschweigend hingenommen: Ist die Meldung nicht berechtigt – falscher Zeichnungsstand, Teile eines anderen Lieferanten –, schriftlich widersprechen, mit Belegen und innerhalb der Frist.
- Rücksendung ohne Rücksendenummer: Die Fehlerteile kommen nicht an oder nicht beim richtigen Empfänger.
Wenn Sie selbst eine Q-Meldung an Ihren Lieferanten schreiben
Dieselben Regeln gelten umgekehrt, wenn Sie Material oder eine Fremdleistung beanstanden – etwa einen Härter oder einen Beschichter. Ihre Meldung braucht eine eindeutige Nummer, den Lieferschein des Lieferanten, die Mengen, ein Foto, einen Messwert, die Fristen und den Hinweis, ob Sie einen 8D-Bericht erwarten. Eine fertige Vorlage dafür finden Sie unter Reklamation an den Lieferanten.
Häufige Fragen
Ist eine Q-Meldung dasselbe wie eine Reklamation?
Für den Lieferanten ja: Eine Q-Meldung, die sich gegen Sie richtet, ist eine Reklamation. Q-Meldung ist der Name des Datensatzes im System des Kunden; derselbe Vorgang heißt je Kunde auch Mängelrüge, Prüfbericht oder Non-Conformance Report.
Muss ich auf jede Q-Meldung mit einem 8D-Bericht antworten?
Nein. Ob ein 8D verlangt wird, steht meist in der Meldung selbst. Bei kleinen Fällen, etwa einem falschen Etikett, reicht oft eine kurze schriftliche Stellungnahme mit Ursache und Maßnahme. Eine Antwort braucht aber jede Meldung.
Wie schnell muss der Kunde einen Mangel melden?
Beim Handelskauf unverzüglich nach der Untersuchung, bei verdeckten Mängeln unverzüglich nach der Entdeckung (§ 377 HGB). Viele Qualitätssicherungsvereinbarungen regeln Untersuchung und Meldung abweichend. Was in Ihrem Fall gilt, hängt an Ihrer Vereinbarung.
Was bedeutet der Fehlercode in der Q-Meldung?
Er stammt aus dem Fehlerkatalog des Kunden und beschreibt, was beim Kunden gesehen wurde – nicht die Ursache. Fordern Sie den Katalog an, wenn Codes ohne Klartext kommen, und beschreiben Sie in D2, was die Fehlerteile tatsächlich zeigen.
Was tun, wenn ich den Lieferschein aus der Q-Meldung nicht finde?
Zuerst Materialnummer und Bestellung prüfen – manchmal ist es ein anderes Teil oder ein anderer Lieferant. Dann um ein Foto des Behälteretiketts bitten; darauf stehen meist Los und Packstücknummer. Findet sich keine eigene Lieferung, schriftlich und mit Belegen widersprechen.
Quellen
- § 377 HGB – Untersuchungs- und Rügepflicht, gelesen am 09.10.2026
Keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind Gesetz, Norm in der gültigen Fassung und die Vorgaben Ihres Kunden.