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D3 Sofortmaßnahmen: den Kunden schützen, bis die Ursache behoben ist

Wie Sie in D3 alle verdächtigen Teile finden – im Haus, im Transit, beim Kunden und beim eigenen Lieferanten –, wie Sie sortieren, was Clean Date und Clean Point bedeuten und wie Sie geprüfte Ware kennzeichnen.

Stand: · Lesezeit etwa 7 Minuten

Reklamationskosten-Rechner – kostenlos

Was D3 ist – und was nicht

D3 heißt Eindämmung (englisch containment): Ab sofort darf kein fehlerhaftes Teil mehr beim Kunden ankommen, und die schon gelieferten werden gefunden – obwohl die Ursache noch unbekannt ist. Sofortmaßnahmen sind vorläufig. Sie kosten Geld und Personal und laufen so lange, bis die Abstellmaßnahmen aus D5 eingeführt sind und D6 ihre Wirksamkeit belegt.

D3 hat zwei Teile. Erstens die Bestände: alle verdächtigen Teile finden, sperren, prüfen. Zweitens die laufende Fertigung: eine zusätzliche Prüfung oder ein Eingriff, damit ab jetzt nur gute Teile entstehen oder das Haus verlassen. Beides gehört mit Mengen und Datum in den Bericht.

Verbreitet ist die Vorgabe, D3 innerhalb von 24 Stunden nach Eingang der Reklamation zu melden. Das ist eine übliche Forderung aus Lieferantenhandbüchern, keine Norm; was für Ihren Kunden gilt, steht in seiner QSV. Wie die Frist gezählt wird, erklärt 8D-Bericht: Fristen.

Eine Sortierung ist nie eine Abstellmaßnahme: Sie findet Fehler, verhindert aber keinen.

Die vier Orte: Haus, Transit, Kunde, Lieferant

Kunden prüfen in D3 zuerst, ob alle Orte genannt sind, an denen verdächtige Teile liegen können. Fehlt einer, kommt der Bericht zurück – zu Recht, denn genau dort steckt der nächste Fehler.

Nennen Sie jeden Ort mit Menge, Maßnahme und Ergebnis – auch wenn das Ergebnis »keine Bestände« oder »nicht betroffen, weil …« lautet. Ein leeres Feld liest der Kunde als »nicht geprüft«.

Besonders heikel sind Teile, die beim Kunden schon verbaut oder sogar ausgeliefert sind. Ob Baugruppen zerlegt, nachgeprüft oder freigegeben werden, entscheidet der Kunde. Ihre Aufgabe ist, ihm dafür die Grundlage zu liefern: welche Lose betroffen sind, wie hoch der Anteil fehlerhafter Teile in der Sortierung war und welche Folgen der Fehler im verbauten Zustand haben kann.

OrtWas dazugehörtHäufig vergessen
Eigenes HausFertigwarenlager, Versandbereich, Ware in Arbeit, Nacharbeit, SperrlagerAußenlager, Konsignationslager, Teile beim Lohnbearbeiter, Ersatzteilbestand
TransitLkw, Spediteur, Paketdienst, See- und LuftfrachtZwischenlager des Spediteurs, Sendungen an andere Werke des Kunden
KundeWareneingang, Lager, Montageliniebereits verbaute Teile in Baugruppen, andere Werke, Ersatzteillager, Kunden des Kunden
Eigener LieferantVormaterial, Halbzeug, ZukaufteileUnterlieferanten wie Härterei, Galvanik, Beschichter mit Teilen derselben Charge

Den verdächtigen Zeitraum festlegen

Welche Teile verdächtig sind, bestimmt nicht das Bauchgefühl, sondern die Rückverfolgbarkeit. Der Zeitraum reicht vom letzten nachgewiesen guten Zustand bis zu dem Moment, ab dem die Sofortmaßnahme in der Fertigung greift. Nachgewiesen gut heißt: eine dokumentierte Prüfung des betroffenen Merkmals mit Ergebnis in Ordnung – nicht »damals gab es keine Beschwerde«.

Fehlt dieser Nachweis, gehen Sie so weit zurück, bis Sie ihn haben. Das ist teurer, aber jeder Kunde stellt dieselbe Frage: Woher wissen Sie, dass das Los davor in Ordnung ist? Die Antwort steht in D2, in der Spalte Ist-nicht der Problembeschreibung.

Die Abgrenzung erfolgt über Losnummer, Fertigungsdatum, Schicht, Maschine oder Werkzeug – je nachdem, was auf dem Etikett und in den Fertigungspapieren steht. Gibt es keine feinere Rückverfolgung als das Lieferdatum, wird der verdächtige Umfang entsprechend groß. Das ist dann gleich ein Fall für D7.

Sortieren: Kriterium, Prüfmittel, Ergebnis

Eine Sortierung ist nur so gut wie ihre Anweisung. Halten Sie sie schriftlich fest, stimmen Sie das Kriterium mit dem Kunden ab und geben Sie sie jedem, der sortiert – eigenen Leuten genauso wie einem Sortierdienstleister.

  • Fehler und Kriterium: was genau n.i.O. ist, mit Grenzwert oder Grenzmuster. »Sichtprüfung auf Kratzer« reicht nicht; »Kratzer länger als 2 mm auf der Sichtfläche A« schon.
  • Prüfmittel: kalibriert und geeignet. Bei Sichtprüfung mit Beleuchtung, Abstand und gegebenenfalls Vergrößerung. Bei attributiver Prüfung kurz nachweisen, dass verschiedene Prüfer zum selben Ergebnis kommen.
  • Umfang: in der Regel 100 % des verdächtigen Bestands. Wer Stichproben nimmt, muss begründen, warum das reicht.
  • Dokumentation: Menge geprüft, i.O., n.i.O., nachgearbeitet – je Bestand und je Tag.
  • Umgang mit n.i.O.: sperren, einige Teile für die Analyse in D4 aufheben, den Rest verschrotten oder nach freigegebener Anweisung nacharbeiten.
  • Grenzen kennen: Eine 100-%-Sichtprüfung findet erfahrungsgemäß nicht jedes fehlerhafte Teil. Wo es geht, prüfen Sie messend oder automatisch; sonst zweimal mit verschiedenen Prüfern.

Clean Date und Clean Point

Das Clean Date ist das Datum, ab dem jede Lieferung garantiert frei von dem Fehler ist – weil sie geprüft wurde oder weil sie aus einem nachweislich korrigierten Prozess stammt. Der Clean Point ist die Stelle in der Lieferkette, an der der Kunde das erkennt: in der Regel die erste Lieferung mit Lieferscheinnummer und Los, ab der nur noch saubere Ware fließt. Viele Kunden verwenden beide Begriffe fast gleich; wichtig ist, dass der Wareneingang die erste saubere Lieferung eindeutig erkennt.

Nennen Sie deshalb immer alles zusammen: Datum, Lieferscheinnummer, Los oder Charge und die Kennzeichnung. Ein Clean Date ohne Kennzeichnung nützt dem Wareneingang nichts, weil er am Packstück nicht sieht, ob es vor oder nach dem Stichtag gefertigt wurde.

Kennzeichnung geprüfter Ware

Geprüfte Ware muss beim Kunden ohne Öffnen der Verpackung erkennbar sein. Üblich sind ein Zusatz auf dem Warenanhänger oder Etikett, ein farbiger Punkt auf jedem Packstück und ein Vermerk auf dem Lieferschein. Was genau, legen Sie mit dem Kunden fest; manche Kunden schreiben die Kennzeichnung in ihrer QSV vor.

Die Kennzeichnung bleibt, bis der Kunde sie aufhebt – meist nach einer vereinbarten Zahl sauberer Lieferungen. Beenden Sie sie nicht eigenmächtig, auch wenn die Maßnahme aus D5 schon läuft.

Beispiel: D3 für zu weiche Sicherungsscheiben

Fiktiver Fall. Ein Stanzbetrieb liefert Sicherungsscheiben aus Federstahl, die ein Lohnhärter vergütet. Gefordert sind 44 bis 50 HRC. Der Kunde misst an sechs Scheiben, die sich bei der Montage aufgeweitet haben, 31 bis 34 HRC. Eingang der Reklamation: Montag, 16.03., 10:00 Uhr. Alle betroffenen Teile stammen aus der Härtecharge HC-0915; ob die Ursache beim Härten liegt, ist zu diesem Zeitpunkt offen.

Sortierkriterium: Prüfung jedes Teils auf einer Wirbelstrom-Prüfanlage, eingestellt mit Grenzmustern bei 44 und 50 HRC; je Kiste 20 Teile zusätzlich mit dem Härteprüfer gegengeprüft. Laufende Fertigung: Jede Härtecharge wird im eigenen Wareneingang mit 20 statt 5 Teilen geprüft, bis D6 abgeschlossen ist.

Clean Date: Lieferungen ab Mittwoch, 18.03., erster Lieferschein 26-1530; jedes Packstück mit blauem Punkt und dem Etikettzusatz »WS geprüft«.

OrtMengeMaßnahmeErgebnis
Kunde18.000 aus zwei Lieferungengesperrt; Sortierdienstleister vor Ort mit mobiler Wirbelstromanlage1.140 n.i.O.
Transit10.000Sendung zurückgeholt, im Haus sortiert620 n.i.O.
Eigenes Haus25.000, davon 12.000 aus HC-0915alle 25.000 gesperrt und sortiert780 n.i.O., alle aus HC-0915
Lohnhärter40.000 aus HC-0915gesperrt, beim Härter sortiert2.610 n.i.O.

Kosten der Sofortmaßnahme – durchgerechnet

Sofortmaßnahmen sind der teuerste Teil einer Reklamation, der sich früh beziffern lässt. Für den fiktiven Fall oben, mit angenommenen Sätzen:

  • Sortierung im Haus (einschließlich Transitsendung) und beim Härter: 75.000 Teile × 0,03 € = 2.250 €
  • Sortierdienstleister beim Kunden: 2 Personen × 9 Stunden × 45 €/h = 810 €
  • Mietgebühr mobile Wirbelstromanlage: 2 Tage × 250 € = 500 €
  • Rückholung der Transitsendung: 1 Sonderfahrt = 420 €
  • Ausschuss: 5.150 Scheiben × 0,12 € = 618 €
  • Summe: 4.598 €, noch ohne Analyse, Verwaltung und eventuelle Kosten des Kunden.

Eigene Fälle rechnen Sie mit dem Reklamationskosten-Rechner zusammen, und die Zahl hilft später bei der Frage, wer was bezahlt.

Wann D3 endet

Sofortmaßnahmen laufen, bis die Abstellmaßnahmen eingeführt sind und D6 ihre Wirksamkeit belegt. Legen Sie das Ende schon in D3 fest, zum Beispiel: »100-%-Prüfung bis vier Wochen nach Einführung von D5 ohne Befund, dann Stichprobe über weitere vier Wochen, dann Ende – jeweils nach Freigabe durch den Kunden.«

Das Ende gehört mit Datum in den Bericht, meist in D6. Wer die zusätzliche Prüfung dauerhaft weiterlaufen lässt, statt die Ursache abzustellen, bekommt den 8D zurück: Eine 100-%-Prüfung als Dauerlösung akzeptiert kaum ein Kunde. Wie Abstellmaßnahmen und Wirksamkeitsnachweis zusammenhängen, steht unter D5 und D6.

Häufige Fragen

Was bedeutet Clean Date im 8D?

Das Clean Date ist der Stichtag, ab dem alle Lieferungen nachweislich frei von dem reklamierten Fehler sind. Es steht in D3, zusammen mit der ersten sauberen Lieferscheinnummer, dem Los und der Kennzeichnung, an der der Wareneingang die saubere Ware erkennt.

Was ist der Unterschied zwischen Clean Date und Clean Point?

Das Clean Date ist ein Datum, der Clean Point die Stelle in der Lieferkette, ab der saubere Ware fließt – meist eine bestimmte Lieferung oder ein Los. Viele Kunden benutzen die Begriffe fast gleich. Sicher ist, beides anzugeben.

Muss ich auch beim Kunden sortieren?

Wenn dort verdächtige Teile liegen, ja – selbst, durch einen Sortierdienstleister oder durch den Kunden auf Ihre Kosten, je nach Absprache. Ein D3, der nur die eigenen Bestände nennt, gilt als unvollständig.

Wer bezahlt die Sortierung?

In der Praxis trägt der Lieferant die Kosten, wenn der Fehler bei ihm liegt. Einzelheiten wie Stundensätze und Pauschalen regelt meist die Qualitätssicherungsvereinbarung. Erfassen Sie die Kosten von Anfang an je Fall, auch wenn noch nicht klar ist, wer sie trägt.

Wie schnell müssen Sofortmaßnahmen stehen?

Verbreitet sind 24 Stunden ab Eingang der Reklamation. Manche Kunden verlangen eine erste Rückmeldung schon am selben Tag. Maßgeblich ist die Vorgabe in der QSV Ihres Kunden.

Die nächste Reklamation kommt bestimmt.

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