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8D-Report Beispiel: vollständig ausgefüllt und kommentiert
Ein fiktiver, aber realistischer 8D-Bericht eines Drehteileherstellers – jedes Feld so ausgefüllt, wie ein Kunde es abnimmt, und dazu jeweils, warum es so dasteht.
Stand: · Lesezeit etwa 8 Minuten
Der Fall und die Kopfdaten
Fiktiver Fall. Ein Drehteilehersteller liefert Ventilhülsen aus Automatenstahl an einen Tier-1, der daraus Hydraulikventile montiert. Die Hülse hat eine Querbohrung Ø 3 mm, die innen in die Längsbohrung Ø 8 mm mündet. Laut Zeichnung müssen alle Kanten gratfrei sein. Beim Kunden fallen Ventile in der Dichtheitsprüfung durch; beim Zerlegen findet er geschnittene O-Ringe und Hülsen mit Grat. Alle Namen, Nummern und Zahlen sind ausgedacht.
| Feld | Eintrag |
|---|---|
| Reklamationsnummer des Kunden | Q-26-1184 |
| Eigene Nummer | 8D-2026-031 |
| Teil | Ventilhülse VH-12-300, Zeichnungsindex C |
| Betroffene Lieferung | Lieferschein 26-0412 vom 24.04.2026, Los L2617, 6.000 Stück |
| Reklamierte Menge | 9 Hülsen mit Grat, davon 4 in undichten Ventilen |
| Eingang der Reklamation | Dienstag, 05.05.2026, 08:40 Uhr, über das Kundenportal |
| Fristen laut QSV | D3 in 24 h (06.05., 08:40 Uhr), D5 in 5 Arbeitstagen (12.05.), Bericht in 10 Arbeitstagen (20.05.; Christi Himmelfahrt am 14.05. zählt nicht) |
| Ansprechpartner | Kunde: Lieferantenqualität (SQE); intern: Leiter Qualität |
Kommentar: Ohne Reklamationsnummer, Zeichnungsindex und Los kann der Kunde den Bericht nicht zuordnen, und die Fristen gehören in den Kopf, damit das ganze Team sie sieht – nachrechnen lassen sie sich mit dem Fristenrechner.
D0 und D1: Notfallreaktion und Team
D0 (05.05., bis 10:00 Uhr): Lieferstopp für VH-12-300, bis geprüfte Ware bereitsteht. Die neun Hülsen mit Grat per Express angefordert. Dem SQE des Kunden bis 10:00 Uhr bestätigt: Sortierung vor Ort ab 06.05., 07:00 Uhr. Entscheidung: vollständiger 8D, weil es ein Serienfehler an einem Funktionsmerkmal ist.
D1: Leiter Qualität (Teamleitung), Meister Drehen, Einrichter Langdrehautomat 2, Messtechniker, Programmierer der Arbeitsvorbereitung. Sponsor: Werkleiter – er gibt Sortierkosten und Maschinenzeit für Versuche frei. Erste Teamsitzung am 05.05. um 11:00 Uhr.
Kommentar: D0 zeigt dem Kunden, dass in der ersten Stunde gehandelt wurde. Im Team sitzt der Einrichter der betroffenen Maschine; er kennt den Prozess besser als jeder andere. Rollen statt Namen machen den Bericht auch nach einem Personalwechsel lesbar. Der Sponsor ist kein Formalismus: Ohne ihn fehlt am nächsten Morgen das Geld für die Sortierung.
D2: Problembeschreibung mit Ist/Ist-nicht
Problem: An der inneren Kante der Querbohrung Ø 3 mm (Übergang zur Längsbohrung Ø 8 mm) steht ein Restgrat von 0,15 bis 0,4 mm. Beim Einschieben des Ventilschiebers schneidet er den O-Ring, das Ventil wird undicht. Forderung: Zeichnung VH-12-300, Hinweis 4, »alle Kanten gratfrei«. Entdeckt in der Dichtheitsprüfung des Kunden, der Endprüfung der Ventile: 9 von 1.450 montierten Hülsen aus Los L2617.
Die Ist/Ist-nicht-Tabelle stellt dem, was betroffen ist, gegenüber, was unter ähnlichen Umständen nicht betroffen ist. Die letzte Spalte hält fest, was der Vergleich nahelegt.
| Frage | Ist | Ist nicht | Was daraus folgt |
|---|---|---|---|
| Was? | Restgrat an der Innenkante der Querbohrung | Grat außen, Maßfehler, Oberflächenfehler | Problem liegt beim Entgraten innen |
| Wo am Teil? | nur Querbohrung, Seite Längsbohrung | Außenkante der Querbohrung, Stirnseiten | Werkzeug, das die Innenkante bearbeitet |
| Wo im Prozess? | Langdrehautomat 2 | Langdrehautomat 4 (gleiches Teil) | Unterschied zwischen den Maschinen suchen |
| Wann? | Los L2617 (8.000 Stück, gefertigt 20.–23.04.) | Lose L2598 und L2604 (je 2.000 Stück, beim Kunden ohne Befund verbaut) sowie L2631 (in D3 sortiert: ohne Befund) | Was war an L2617 anders? Es war viermal so groß. |
| Muster? | Teile aus der zweiten Hälfte des Loses, Grat nimmt zum Losende zu | Teile aus der ersten Hälfte | Hinweis auf Werkzeugverschleiß |
| Wie viel? | 9 von 1.450 montierten Hülsen (0,6 %) | – | Ausmaß in D3 durch Sortierung bestimmen |
Kommentar: Die Ist-nicht-Spalte ist die wichtigste, weil sie auf den Unterschied zeigt – größeres Los, zweite Hälfte, nur eine Maschine – und damit auf die Ursache, bevor jemand rät (mehr zu D2).
D3: Sofortmaßnahmen und Clean Date
Sortierkriterium: Innenkante der Querbohrung mit einem Bohrungsendoskop bei 10-facher Vergrößerung betrachtet; sichtbarer Grat = n.i.O. (nicht in Ordnung). Ein Grenzmuster, am 06.05. mit dem SQE abgestimmt, liegt an jedem Prüfplatz.
In der Fertigung bis zur Einführung von D5: Entgratwerkzeug alle 1.000 Teile wechseln, jedes Teil mit dem Endoskop prüfen.
Clean Date: Ab der Lieferung vom 07.05.2026 enthalten alle Lieferungen nur Teile, die mit dem Endoskop geprüft sind. Kennzeichnung: Etikett mit dem Zusatz »8D-2026-031 geprüft« und grüner Punkt auf jeder Gitterbox, bis der Kunde die Kennzeichnung aufhebt.
Bestände und Ergebnis der Sortierung:
| Bestand | Menge | Maßnahme | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Kunde: Lager und Linie | 4.550 | gesperrt, ab 06.05. durch Sortierdienstleister vor Ort sortiert | 212 n.i.O., 4.338 i.O. |
| Kunde: montierte Ventile | 1.450 | vom Kunden gesperrt, 40 Ventile zerlegt | keine weiteren O-Ring-Schäden; am 07.05. vom Kunden freigegeben |
| Transit | 2.000 (Los L2631, versandt am 04.05.) | bei Ankunft beim Kunden getrennt gelagert und sortiert | 0 n.i.O. |
| Eigenes Lager | 2.000 (Los L2617) | gesperrt, im Haus sortiert | 96 n.i.O. |
| Fertigung | 600 (laufendes Los) | 100 % Endoskop | 0 n.i.O. |
| Eigener Lieferant | Stangenmaterial | nicht betroffen: der Fehler entsteht in der Bearbeitung | – |
Kommentar: Alle vier Orte stehen mit Menge und Ergebnis drin, das Sortierkriterium nennt Prüfmittel und Grenzmuster, und Sortieren ist hier Eindämmung, keine Abstellmaßnahme (mehr zu D3).
D4: Ursache für Auftreten und Nicht-Entdecken
Auftreten, technisch: Die Schneide des Rückwärtsentgraters, der die Innenkante der Querbohrung bricht, war nach 6.000 Teilen verschlissen. Ab etwa 2.600 Teilen bleibt ein Grat über 0,05 mm stehen. Für das Werkzeug war keine Standmenge hinterlegt; gewechselt wurde es nur beim Rüsten. Bei Losen mit 2.000 Stück fiel das nie auf, L2617 war das erste mit 8.000 Stück. Langdrehautomat 4 arbeitet mit einem Standmengenzähler (2.000 Teile) – deshalb dort kein Fehler.
Auftreten, systemisch: Im Werkzeugdatenblatt bekommen nur Werkzeuge mit Maßeinfluss eine Standmenge. Entgratwerkzeuge galten als unkritisch. Die Prozess-FMEA enthielt die Fehlerart »Grat an der Querbohrung innen« nicht.
Nicht-Entdecken, technisch: Geprüft wurde »gratfrei« durch Sichtprüfung von außen, 5 Teile je 2 Stunden. Die Innenkante ist von außen nicht einsehbar.
Nicht-Entdecken, systemisch: Der Prüfplan wurde vom Vorgängerteil ohne Querbohrung übernommen. Für das Merkmal »gratfrei« an der Querbohrung war keine geeignete Prüfmethode festgelegt.
Verifiziert am 08.05.: Mit dem verschlissenen Entgrater aus Maschine 2 wurden 50 Teile gefertigt: Grat an 50 von 50. Mit neuem Entgrater: an 0 von 50. Standmengenversuch mit einem neuen Werkzeug, Endoskop alle 250 Teile: erster Grat über 0,05 mm bei 2.600 Teilen. Damit ist die Ursache ein- und ausgeschaltet.
Kommentar: Vier Ursachen statt einer – Auftreten und Nicht-Entdecken, jeweils technisch und systemisch. Die systemischen Ursachen erklären, warum der Fehler überhaupt möglich war. Der Versuch beweist die Ursache, statt sie nur zu behaupten. Hilfsmittel dazu sind das Ishikawa-Diagramm und die 5-Why-Kette; ausführlich unter D4 Ursachenanalyse.
D5 und D6: Abstellmaßnahmen und Wirksamkeit
D5 – geplante Abstellmaßnahmen: je eine pro Ursache aus D4, mit Rolle und Termin (siehe Tabelle).
Verifizierung vor der Einführung: Drei Entgrater liefen je 1.500 Teile, Endoskop alle 250 Teile – kein Grat über 0,05 mm. Die Endoskopprüfung selbst wurde mit drei Prüfern an 30 Teilen getestet, jedes Teil zweimal: Alle Teile mit Grat wurden erkannt, kein gutes Teil verworfen.
D6 – eingeführt: Maßnahmen 1 und 3 am 15.05., Maßnahme 4 am 22.05., Maßnahme 2 am 29.05.2026.
D6 – Wirksamkeit: acht Wochen, 14 Lose, 41.000 Teile: 0 Befunde bei der Endoskopprüfung; beim Kunden 0 undichte Ventile wegen der Hülse. Die 100-%-Prüfung aus D3 wurde am 12.06. in Absprache mit dem SQE beendet.
| Nr. | Ursache | Maßnahme | Verantwortlich | Termin |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Auftreten technisch | Standmenge 1.500 Teile für den Entgrater, Zähler in der Maschinensteuerung, Maschine hält bei Erreichen an | Arbeitsvorbereitung | 15.05.2026 |
| 2 | Auftreten systemisch | Alle Entgratwerkzeuge bekommen eine Standmenge; Kriterium in der Verfahrensanweisung Werkzeugverwaltung | Leiter Arbeitsvorbereitung | 29.05.2026 |
| 3 | Nicht-Entdecken technisch | Prüfung mit Bohrungsendoskop: 5 Teile je 2 Stunden und das letzte Teil vor jedem Werkzeugwechsel; Grenzmuster mit dem Kunden abgestimmt | Leiter Qualität | 15.05.2026 |
| 4 | Nicht-Entdecken systemisch | Prüfplan aus der Zeichnung neu abgeleitet; jedes Merkmal mit Prüfmethode und Prüfmittel | Leiter Qualität | 22.05.2026 |
Kommentar: Jede Maßnahme verweist auf eine Ursache aus D4, die Standmenge von 1.500 liegt mit Abstand unter der gemessenen Grenze von 2.600, und D6 nennt Kennzahl, Zeitraum, Menge und das Ende der Sortierung (mehr zu D5 und D6).
D7 und D8: Wiederholung verhindern und abschließen
Übertragen: Alle 14 Teile mit Querbohrung und Rückwärtsentgrater auf den Langdrehautomaten 1 bis 5 haben eine Standmenge bekommen (erledigt am 26.06.).
Geänderte Dokumente: Prozess-FMEA VH-12 Revision F (Fehlerart »Grat an der Querbohrung innen« ergänzt), Produktionslenkungsplan VH-12-300 Revision E, Prüfplan VH-12-300 Revision D, Werkzeugdatenblatt WD-118 Revision B, Verfahrensanweisung Werkzeugverwaltung VA-WZ-02 Revision 4.
Lessons Learned: »Auch ein Werkzeug ohne Maßeinfluss erzeugt ein Funktionsmerkmal.« Aufgenommen in die Checkliste für Neuteile und in die FMEA-Vorlage für Drehteile mit Querbohrung.
D8: Der Kunde hat den 8D am 14.07.2026 geschlossen. Der Werkleiter hat das Ergebnis in der Schichtbesprechung vorgestellt und den Standmengenversuch des Einrichters ausdrücklich genannt. Die Reklamationskosten – Sortierung, Express, Ausschuss – sind erfasst und dem Fall zugeordnet; zusammenrechnen lassen sie sich mit dem Reklamationskosten-Rechner.
Zum zeitlichen Ablauf: Der Bericht ging mit D1 bis D5 und dem Zwischenstand von D6 fristgerecht am 19.05. an den Kunden. Geschlossen wurde er erst, als die Kennzahl über acht Wochen vorlag. So erwarten es die meisten Kunden.
Kommentar: D7 zeigt, dass nicht nur die eine Maschine repariert wurde, und jedes geänderte Dokument steht mit Revision da, damit der Kunde es im nächsten Audit ansehen kann (mehr zu D7 und D8).
Was dieses Beispiel richtig macht
Wenn Sie Ihren eigenen Bericht mit diesem Beispiel vergleichen, prüfen Sie die folgenden Punkte. Sie decken die häufigsten Gründe ab, aus denen Kunden einen 8D zurückschicken; die vollständige Liste steht unter 8D-Report: Rückweisung, automatisch prüfen können Sie mit dem 8D-Check.
- Kopf mit Reklamationsnummer, Zeichnungsindex, Los und Fristen.
- D2 mit Zahlen und Ist-nicht, nicht nur »Teile mit Grat«.
- D3 an allen vier Orten, mit Mengen, Sortierkriterium, Clean Date und Kennzeichnung.
- D4 mit Auftreten und Nicht-Entdecken, technisch und systemisch, und einem Versuch als Beweis.
- Keine Ursache »Mitarbeiter« und keine Maßnahme »Mitarbeiter sensibilisiert«.
- D5 mit einer Maßnahme je Ursache, mit Rolle und Termin, vor der Einführung verifiziert.
- D6 mit Kennzahl, Zeitraum und Menge.
- D7 mit Übertragung und Dokumenten samt Revision.
Häufige Fragen
Darf ich dieses 8D-Report-Beispiel als Vorlage verwenden?
Ja, Aufbau und Formulierungen können Sie übernehmen. Die Inhalte müssen aber aus Ihrem eigenen Fall stammen; ein Kunde erkennt abgeschriebene Ursachen sofort. Eine leere Vorlage finden Sie unter 8D-Report-Vorlage, ausfüllen können Sie sie im 8D-Report-Werkzeug.
Wie lang sollte ein 8D-Bericht sein?
Meist zwei bis vier Seiten plus Anhänge. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern dass jede Disziplin ihre Frage mit Zahlen beantwortet. Fotos, Messprotokolle und das Ishikawa-Diagramm gehören in die Anhänge, nicht in den Fließtext.
Was mache ich, wenn D6 bis zur Frist noch nicht fertig ist?
Schicken Sie den Bericht fristgerecht mit dem Stand von D6: was eingeführt ist, welche Kennzahl Sie verfolgen und wann der Nachweis vorliegt. Das ist üblich, weil Wirksamkeit Zeit in der Serie braucht. Geschlossen wird der 8D dann mit dem Nachweis.
Muss im 8D-Report eine D0 stehen?
Nur, wenn das Formular des Kunden sie vorsieht. Viele Formulare beginnen mit D1. Die Notfallreaktion sollten Sie trotzdem dokumentieren, zur Not am Anfang von D3: Lieferstopp, Rückmeldung an den Kunden, Anforderung der Fehlteile.