Zum Inhalt
irot 8D irot 8D
Menü

Wissen

Controlled Shipping: CS1, CS2 und der Weg zurück

Was hinter Controlled Shipping Stufe 1 und 2 steckt, wann Kunden es anordnen, was es kostet und mit welchen Daten Sie den Ausstieg beantragen – mit fiktiver Kostenrechnung und einem Zeitstrahl vom Anordnen bis zum Aufheben.

Stand: · Lesezeit etwa 8 Minuten

Reklamationskosten-Rechner – kostenlos

Was Controlled Shipping ist

Controlled Shipping (kontrollierter Versand, kurz CS) ist eine zusätzliche Prüfung, die ein Kunde nach schweren oder wiederholten Qualitätsproblemen anordnet. Der Lieferant prüft jedes Teil auf die betroffenen Merkmale – oft auch auf weitere – in einem eigenen Schritt nach der Fertigung und vor dem Versand, getrennt vom Serienprozess. Ziel ist, den Kunden zu schützen, bis die Ursache nachweislich abgestellt ist.

Der Unterschied zur Sortierung in D3 liegt nicht in der Prüfung, sondern in der Rolle: Die Sortierung in den Sofortmaßnahmen beschließen Sie selbst. Controlled Shipping ordnet der Kunde an, meist schriftlich, mit festen Eintritts- und Ausstiegsbedingungen und täglicher Berichtspflicht. Sie können es nicht selbst beenden.

Der Begriff ist vor allem in der Automobilindustrie verbreitet; die Regeln stehen in den kundenspezifischen Anforderungen oder im Lieferantenhandbuch des jeweiligen Kunden. Im deutschen Sprachgebrauch heißt dasselbe oft verschärfte Ausgangsprüfung, Qualitätsschranke oder »Firewall«. Das Gegenstück beim Kunden ist die verschärfte Eingangskontrolle: Der Kunde prüft Ihre Ware selbst oder durch einen Dienstleister und stellt Ihnen die Kosten in Rechnung. Lesen Sie in jedem Fall die Vorgabe Ihres Kunden – Prüfumfang, Berichtsform und Ausstiegskriterien unterscheiden sich.

CS1 und CS2 im Vergleich

Üblich sind zwei Stufen. Die zweite kommt meist dann, wenn die erste den Kunden nicht ausreichend schützt.

MerkmalCS1 (Stufe 1)CS2 (Stufe 2)
Wer prüfteigenes Personal des Lieferanten, nicht die Fertigung des Teils selbstzusätzlich ein externer Prüfdienstleister, den der Kunde benennt oder freigibt
Woabgetrennter Prüfplatz im eigenen Werk, nach dem letzten Fertigungsschrittmeist im Werk des Lieferanten, manchmal in einem Lager nahe beim Kunden
Wer zahltder Lieferantder Lieferant, einschließlich Dienstleister; dazu oft Verwaltungskosten des Kunden
Typischer AnlassWiederholfehler, D3 nicht wirksam, 8D überfällig oder abgelehntFehler erreichen den Kunden trotz CS1, schwerer Fehler, sicherheitsrelevantes Merkmal
Berichttäglich: geprüfte Menge, n. i. O.-Teile je Fehlerartwie CS1, zusätzlich Bericht des Dienstleisters direkt an den Kunden
Folge, wenn es nicht besser wirdHochstufung auf CS2Sperre für neue Aufträge, Meldung an die Zertifizierungsstelle, Lieferantenwechsel

CS2 ersetzt CS1 nicht, sondern kommt bei vielen Kunden obendrauf: Ihr eigener Prüfplatz läuft weiter, der Dienstleister prüft danach noch einmal.

Wann Kunden Controlled Shipping anordnen

Kein Kunde ordnet CS beim ersten kleinen Fehler an. Typische Auslöser sind:

  • derselbe Fehler zum zweiten oder dritten Mal (siehe Wiederholfehler)
  • Fehlteile erreichen den Kunden, obwohl der 8D schon ein Clean Date genannt hat
  • ein Fehler an einem sicherheits- oder zulassungsrelevanten Merkmal
  • ein 8D, der überfällig ist oder mehrfach zurückgewiesen wurde
  • mehrere verschiedene Reklamationen in kurzer Zeit, besonders im Serienanlauf

Abwenden lässt es sich am ehesten, indem Sie zuvorkommen: Bieten Sie nach dem zweiten Fehler von sich aus eine getrennte Prüfstation mit Tagesbericht an. Das kostet dasselbe, wird aber von vielen Kunden als eigene Sofortmaßnahme gesehen, nicht als Eskalationsstufe.

Die Prüfstation einrichten

Ein CS-Prüfplatz wird beim Besuch des Kunden genau angesehen. Was er braucht:

  • Eigener, gekennzeichneter Bereich nach dem letzten Fertigungs- und vor dem Verpackungsschritt, mit getrennten Flächen für ungeprüft, i. O. und n. i. O.
  • Prüfanweisung mit Merkmal, Grenzwert, Prüfmittel, Reihenfolge, Grenzmuster und Fotos gut und schlecht – freigegeben von der Qualität.
  • Prüfer, die nicht in der Fertigung des Teils arbeiten, eingewiesen und in einer Liste geführt; bei Sichtprüfung mit ausreichender Beleuchtung und festgelegter Prüfzeit je Teil.
  • Geeignete Prüfmittel: Lehre oder Messmittel, deren Eignung für das Merkmal nachgewiesen ist. Eine Sichtprüfung für Maße genügt nicht, und ein Prüfgerät mit demselben Grenzwert wie in der Serie findet dieselben Fehler nicht.
  • Kennzeichnung jedes geprüften Packstücks, etwa »CS1 geprüft«, Datum und Prüferkürzel – abgestimmt mit dem Kunden.
  • Tagesbericht an den Kunden zur vereinbarten Uhrzeit: geprüfte Menge, n. i. O. je Fehlerart, ppm, Rückmeldung an die Fertigung.
  • Rückkopplung: Jedes n. i. O.-Teil an der Station zeigt, dass der Prozess den Fehler noch erzeugt. Die Fertigung erfährt es sofort, nicht am Monatsende.

Eine CS-Station, die nichts findet, ist nur dann ein gutes Zeichen, wenn sie nachweislich finden kann. Prüfen Sie das zu Schichtbeginn mit einem gekennzeichneten Fehlerteil.

Wer zahlt – fiktiv durchgerechnet

Die Kosten trägt in aller Regel der Lieferant; so steht es üblicherweise im Lieferantenhandbuch, und praktisch ist es die Bedingung, um weiter liefern zu dürfen. Ob der Kunde zusätzlich Verwaltungskosten berechnen darf, regelt Ihre QSV. Prüfen Sie die Rechnung wie jede andere Belastungsanzeige.

Fiktiver Fall: Ein Spritzgießer liefert 6.000 Steckergehäuse je Arbeitstag. Die CS-Station prüft Rastnase und Grat mit Lupe und Grenzmuster, Prüfzeit 6 Sekunden je Teil. Eigene Stunde: 48 €, Stunde beim Dienstleister: 41 €.

PostenRechnungKosten je Arbeitstag
CS1: Prüfzeit6.000 Teile × 6 s = 36.000 s = 10 h; 10 h × 48 €480 €
CS1: Handling, Kennzeichnung, Tagesbericht1,5 h × 48 €72 €
CS2: Dienstleister2 Prüfer × 8 h × 41 €656 €
CS2: Organisation, Fläche, Etikettenpauschal angenommen60 €
Summe nur CS1480 € + 72 €552 €
Summe CS1 und CS2552 € + 656 € + 60 €1.268 €

Bei 25 Arbeitstagen CS1 und weiteren 30 Arbeitstagen CS1 plus CS2 sind das 13.800 € + 38.040 € = 51.840 € – ohne Sortierung beim Kunden, Fracht und Belastungen. Eine Vorrichtung oder Prozessüberwachung, die die Ursache abstellt, kostet oft nur einen Bruchteil davon. Ihre eigenen Zahlen rechnen Sie mit dem Reklamationskosten-Rechner.

Wie Sie wieder herauskommen

Controlled Shipping endet, wenn der Kunde es schriftlich aufhebt – nie vorher, auch wenn die Station seit Wochen nichts findet. Die Ausstiegsbedingungen stehen in der Anordnung oder im Lieferantenhandbuch. Fehlen sie, vereinbaren Sie sie gleich zu Beginn schriftlich. Üblich ist eine Kombination dieser Punkte:

  • eine vereinbarte Zahl aufeinanderfolgender Produktionstage ohne n. i. O.-Befund an der CS-Station, zum Beispiel 20, gezählt ab Einführung der Abstellmaßnahme
  • keine weitere Reklamation beim Kunden im selben Zeitraum
  • ein 8D mit bewiesener Ursache für Auftreten und Nicht-Entdecken, eingeführten Abstellmaßnahmen und Wirksamkeitsnachweis (D6)
  • geänderte Dokumente: Prozess-FMEA, Produktionslenkungsplan, Prüfplan – jeweils mit Revision
  • bei CS2 oft ein Besuch des Lieferantenqualitätsingenieurs (SQE) des Kunden vor Ort
  • ein schriftlicher Ausstiegsantrag mit allen Daten (Inhalt siehe Tabelle)
Teil des AntragsInhalt
BezugAnordnung des Kunden mit Datum, Reklamationsnummern, Teilenummern
Ursache und MaßnahmenKurzfassung D4 bis D6 mit Einführungsdatum
Daten der CS-StationTagesliste seit Beginn: geprüft, n. i. O., Fehlerart, als Verlauf
Daten vom KundenReklamationen und Befunde im selben Zeitraum
DokumenteProzess-FMEA, Produktionslenkungsplan, Prüfplan mit Revision und Datum
Antraggewünschter Schritt (CS2 auf CS1 oder CS1 auf Serie) und Datum

Üblich ist ein Ausstieg in Stufen: von CS2 auf CS1, von CS1 auf normale Lieferung. Beantragen Sie jeden Schritt einzeln und erst, wenn die Daten ihn tragen.

Fiktives Beispiel: von CS2 zurück zur Serienlieferung

Fiktiver Fall. Ein Druckgießer liefert Gehäuse für eine Ölpumpe an einen Tier-1; kritisches Merkmal ist die Dichtheit. Der Tier-1 findet bei seiner Dichtheitsprüfung undichte Gehäuse, zuerst im März, dann wieder im Mai.

  • Tag 0: zweite Reklamation, 4 undichte Gehäuse. Der Kunde ordnet CS1 an: Dichtheitsprüfung zu 100 % an einem zweiten Prüfgerät, Tagesbericht bis 10:00 Uhr.
  • Tag 1 bis 12: Die CS-Station findet 18 undichte Teile in 66.000 (273 ppm). Trotzdem erreichen 2 undichte Gehäuse den Kunden – das zweite Prüfgerät hatte denselben, zu großzügigen Grenzwert wie das erste.
  • Tag 13: Der Kunde stuft auf CS2 hoch; ein Prüfdienstleister prüft zusätzlich vor Ort.
  • Tag 18 – D4: Auftreten: Das Vakuumventil der Druckgießzelle ist verschmutzt, Restluft im Formhohlraum führt zu Porosität im Dichtbereich – bewiesen durch Schüsse mit gereinigtem und mit absichtlich gedrosseltem Ventil. Nicht entdeckt: Der Grenzwert der Dichtheitsprüfung war beim Serienanlauf aufgeweitet und nie zurückgesetzt worden.
  • Tag 21 – D5: Vakuumüberwachung mit Abschaltung bei zu hohem Restdruck, Reinigung des Ventils alle 2.000 Schuss, Grenzwert der Dichtheitsprüfung auf den Zeichnungswert zurückgesetzt und gegen Verstellen gesperrt.
  • Tag 21 bis 48: 20 Produktionstage ohne n. i. O. an beiden Stationen, keine Reklamation. Ausstiegsantrag CS2 auf CS1 an Tag 49, genehmigt an Tag 52 nach Besuch des SQE.
  • Tag 52 bis 80: weitere 20 Produktionstage ohne Befund; Antrag CS1 auf Serie, genehmigt an Tag 84. Die Kennzeichnung entfällt ab der nächsten Lieferung.

Der teuerste Fehler in diesem Fall war nicht die Porosität, sondern das zweite Prüfgerät mit demselben falschen Grenzwert: Wer an der CS-Station mit denselben Mitteln prüft wie in der Serie, findet dieselben Fehler nicht.

Fehler, die Controlled Shipping verlängern

Diese Punkte sieht der Kunde beim Besuch oder im Tagesbericht – und jeder davon kostet Wochen:

  • Die Fertigung prüft »nebenbei« selbst, ohne getrennten Platz und ohne eigene Prüfer.
  • Geprüfte und ungeprüfte Teile stehen auf derselben Fläche.
  • Der Tagesbericht kommt unregelmäßig oder ohne Fehlerarten.
  • Funde an der Station werden als Erfolg verbucht statt als Signal an die Fertigung.
  • Controlled Shipping steht im 8D als Abstellmaßnahme (D5). Es ist eine Eindämmung (D3); die Ursache bleibt.
  • Die Station wird eigenmächtig abgebaut, weil seit Tagen nichts gefunden wurde.
  • Die Kosten werden nicht erfasst – damit fehlt das stärkste Argument für eine schnelle technische Lösung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen CS1 und CS2?

Bei CS1 prüft der Lieferant mit eigenem Personal an einer getrennten Station vor dem Versand. Bei CS2 prüft zusätzlich ein externer Dienstleister, den der Kunde benennt oder freigibt. CS2 wird meist angeordnet, wenn trotz CS1 Fehler beim Kunden ankommen.

Wer bezahlt Controlled Shipping?

In aller Regel der Lieferant – die eigene Prüfstation, den Dienstleister bei CS2 und oft auch Verwaltungskosten des Kunden. Was der Kunde zusätzlich berechnen darf, regelt die Qualitätssicherungsvereinbarung. Erfassen Sie die Kosten von Anfang an; sie sind das stärkste Argument für eine schnelle Abstellmaßnahme.

Wie lange dauert Controlled Shipping?

So lange, bis die Ausstiegsbedingungen erfüllt sind und der Kunde es schriftlich aufhebt. Wie viele Tage ohne Befund verlangt werden, legt der Kunde fest. Die Dauer hängt vor allem davon ab, wie schnell die Abstellmaßnahme eingeführt und ihre Wirksamkeit belegt ist; mit Stufen sind mehrere Wochen bis wenige Monate realistisch.

Kann ich Controlled Shipping ablehnen?

Rechtlich hängt das von Ihrem Vertrag ab; praktisch ist es fast immer die Bedingung, weiter liefern zu dürfen. Sinnvoller als Ablehnen ist, die Bedingungen gleich zu Beginn schriftlich zu klären: Prüfumfang, Berichtsform, Ausstiegskriterien und welche Kosten der Kunde berechnet.

Ist Controlled Shipping eine Abstellmaßnahme im 8D?

Nein. Es gehört zu D3, den Sofortmaßnahmen. Als Abstellmaßnahme in D5 weisen Kunden es zurück, weil es die Ursache nicht beseitigt, sondern nur ihre Folgen abfängt.

Was hat Controlled Shipping mit dem IATF-16949-Zertifikat zu tun?

Direkt nichts – es ist eine Maßnahme zwischen Kunde und Lieferant. Bleibt die Lage schlecht, kann ein IATF-OEM aber eine Leistungsbeschwerde (»performance complaint«) einreichen. Nach den IATF-Regeln kann das ein Verfahren zum Entzug des Zertifikats auslösen; die offiziellen Auslegungen vom Juni 2026 nennen dafür höchstens 15 Kalendertage bis zur Entscheidung über eine Aussetzung und höchstens 90 Kalendertage bis zum Sonderaudit vor Ort.

Quellen

Keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind Gesetz, Norm in der gültigen Fassung und die Vorgaben Ihres Kunden.

Die nächste Reklamation kommt bestimmt.

Legen Sie sie gleich in irot 8D an: zwei Reklamationen im Jahr sind kostenlos, ohne Einrichtung und ohne Kreditkarte.

Kostenlos starten