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Reklamationsmanagement beim Zulieferer

Wie eine Kundenreklamation beim Zulieferer vom Eingang bis zum Abschluss läuft, wer welche Aufgabe hat, welche Kennzahlen etwas aussagen und wo es in der Praxis hängt – mit einem durchgerechneten Monatsbeispiel.

Stand: · Lesezeit etwa 9 Minuten

8D-Fristenrechner – kostenlos

Was Reklamationsmanagement beim Zulieferer umfasst

Eine Reklamation ist die Beanstandung einer Lieferung durch den Kunden: falsches Maß, beschädigte Oberfläche, falsche Menge, fehlendes Etikett, fehlendes Prüfzeugnis. Reklamationsmanagement ist alles, was der Betrieb danach tut – vom ersten Anruf bis zu dem Tag, an dem der Kunde den Fall schließt und die Kosten geklärt sind.

Beim Zulieferer gibt es drei Richtungen: Kundenreklamationen (der Kunde beanstandet Ihre Teile), Lieferantenreklamationen (Sie beanstanden Material oder Fremdleistungen wie Härten oder Beschichten) und interne Reklamationen (die Montage beanstandet die Vorfertigung). Dieser Artikel behandelt die Kundenreklamation, denn sie hat Fristen, einen Kunden, der wartet, und meist einen 8D-Bericht. 8D steht für eine Problemlösung in acht Schritten, den Disziplinen D1 bis D8, vom Team (D1) bis zum Abschluss (D8).

Das Ziel hat eine feste Reihenfolge: erst den Kunden schützen, dann die Ursache finden und abstellen, dann verhindern, dass derselbe Fehler an einem anderen Teil wieder auftritt. Wer die Reihenfolge umdreht und zuerst die Ursache sucht, lässt verdächtige Teile weiter zum Kunden laufen.

Der Ablauf vom Eingang bis zum Abschluss

Der Ablauf ist in fast allen Betrieben gleich, egal ob der Kunde ein eigenes Formular schickt oder einen 8D-Bericht im freien Format annimmt. Die Fristen in der Tabelle sind verbreitete Vorgaben vieler Kunden, keine Norm. Was für Sie gilt, steht in der Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV) mit dem jeweiligen Kunden oder in seiner Reklamation.

  • Clean Date ist das Datum oder die Lieferung, ab der nachweislich nur noch geprüfte, fehlerfreie Teile beim Kunden ankommen.
  • FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse) ist die Analyse, in der mögliche Fehler eines Teils oder Prozesses mit Ursachen und Prüfungen stehen.
  • Die Fristen laufen meist in Arbeitstagen ab Eingang. Feiertage unterscheiden sich je Bundesland; der Fristenrechner zählt sie für D3, D5 und D8 aus.
SchrittWas passiertErgebnisVerbreitete Frist
1. Eingang und ErfassungReklamation mit eigener Nummer anlegen; Teilenummer, Zeichnungsindex, Lieferschein, Los und Fehlerbild aufnehmen; Fehlerteile anfordernVollständiger Datensatz, Ansprechpartner auf beiden Seitenam selben Tag
2. BewertungIst der Fehler nachvollziehbar? Stimmt der Zeichnungsstand? Betrifft er nur dieses Teil oder auch Schwesterteile?Annehmen, mit Rückfrage annehmen oder begründet widersprechenam selben Tag
3. Sofortmaßnahmen (D3)Bestände sperren und sortieren – in der Fertigung, im Lager, unterwegs und beim Kunden; Clean Date festlegenKunde ist geschützt; erster Bericht D1 bis D324 Stunden
4. Ursachenanalyse (D4)Ursache des Auftretens und Ursache des Nicht-Entdeckens getrennt suchen und am Teil oder Prozess bestätigenBestätigte Ursachen5 Arbeitstage
5. Abstellmaßnahmen (D5/D6)Maßnahmen festlegen, vor der Einführung testen, einführenMaßnahmen mit Termin und Verantwortlichem10 Arbeitstage
6. WirksamkeitKennzahl über einen festgelegten Zeitraum verfolgen, dann Sofortmaßnahmen aufhebenNachweis mit Zahleneinige Wochen, je nach Fehler
7. Absichern (D7)FMEA, Prüfplan, Arbeitsanweisung anpassen; Erkenntnis auf ähnliche Teile und Maschinen übertragenDokumente mit neuer Revisionmit D6
8. Abschluss (D8) und KostenKunde schließt den Fall, Kosten sind anerkannt oder abgewehrt, Fall in der Liste abgeschlossenGeschlossene Reklamationnach Freigabe durch den Kunden

Eine Reklamation ist erst abgeschlossen, wenn die Wirksamkeit belegt und die Kostenfrage geklärt ist – nicht, wenn der 8D-Bericht verschickt ist.

Rollen: wer was tut

Im Betrieb mit 30 Beschäftigten hält oft eine Person aus der Qualität alle Fäden. Das geht, solange die Aufgaben klar sind und es eine Vertretung gibt. Die Tabelle zeigt, welche Aufgaben anfallen – unabhängig davon, wie viele Köpfe sie tragen.

Auf Kundenseite sitzt meist ein SQE (Supplier Quality Engineer), der Ingenieur für Lieferantenqualität. Er bewertet Ihren Bericht und entscheidet, ob er ihn annimmt. Ein fester Ansprechpartner auf Ihrer Seite erspart ihm und Ihnen widersprüchliche Aussagen aus Vertrieb, Qualität und Fertigung.

RolleAufgabe in der ReklamationWoran es oft scheitert
Reklamationsverantwortlicher (meist Qualität)Einziger Ansprechpartner für den Kunden; führt die Liste, hält Fristen, schreibt oder prüft den 8D-BerichtUrlaub oder Krankheit ohne Vertretung, Fristen laufen ab
8D-TeamleiterLeitet das Team, verteilt Aufgaben, achtet darauf, dass Ursachen bestätigt und nicht vermutet werdenTeamleiter ist zugleich Leiter des Bereichs, in dem der Fehler entstand
Fertigung (Meister, Einrichter)Prozesswissen, Nachstellen des Fehlers, Maßnahmen an Maschine und WerkzeugKeine Zeit für Analysen neben der laufenden Produktion
Technik und ArbeitsvorbereitungZeichnung, Programm, Prüfplan, Arbeitsanweisung ändernÄnderung ist gemacht, an der Maschine hängt die alte Version
Logistik und VersandBestände finden und sperren, Rücksendung und Ersatzlieferung, Kennzeichnung nach dem Clean DateWare unterwegs und in Außenlagern wird vergessen
Vertrieb und kaufmännische SeiteKosten klären, Belastungsanzeigen prüfen, GutschriftenKosten werden erst Monate später besprochen
GeschäftsführungFreigabe von Sonderfahrten, Sortierdienstleistern, Überstunden und Investitionen in AbstellmaßnahmenEntscheidung kommt zu spät, die Sofortmaßnahme wartet

Kennzahlen, die etwas aussagen

Kennzahlen sollen zeigen, ob der Betrieb Reklamationen schneller schließt und seltener bekommt. Fünf bis acht reichen. Jede braucht eine feste Rechenregel, sonst vergleicht man Monat für Monat Unterschiedliches.

ppm steht für parts per million: fehlerhafte Teile je Million gelieferter Teile. n. i. O. heißt »nicht in Ordnung«, i. O. »in Ordnung«. Kunden zählen ppm unterschiedlich: Manche zählen nur die tatsächlich fehlerhaften Teile, manche die ganze beanstandete Lieferung. Fragen Sie nach der Rechenregel Ihres Kunden, bevor Sie Ihre Zahl mit seiner Lieferantenbewertung vergleichen. Mit dem ppm-Rechner rechnen Sie den Wert aus Ihren eigenen Zahlen.

Die Wiederholfehlerquote ist die unbequemste Kennzahl und die ehrlichste: Sie zeigt, ob Maßnahmen dauerhaft wirken. Warum Fehler zurückkommen, steht unter Wiederholfehler.

KennzahlBerechnungWas sie zeigt
Anzahl KundenreklamationenNeu eingegangene Reklamationen je MonatGrundlast; nur zusammen mit der Liefermenge lesen
ppmn. i. O.-Teile ÷ gelieferte Teile × 1.000.000Fehleranteil aus Sicht des Kunden
Reaktionszeit D3Stunden vom Eingang bis zur Meldung der SofortmaßnahmenOb der Kunde schnell geschützt ist
Termintreue 8DFristgerecht gelieferte Berichtsstufen ÷ fällige BerichtsstufenOb die Organisation die Fristen schafft
Durchlaufzeit bis D8Arbeitstage vom Eingang bis zum AbschlussOb Fälle liegen bleiben
RückweisungsquoteVom Kunden zurückgewiesene 8D-Berichte ÷ eingereichte BerichteQualität von Analyse und Bericht
WiederholfehlerquoteReklamationen mit bekanntem Fehlerbild am selben Teil innerhalb von 12 Monaten ÷ alle ReklamationenOb Maßnahmen dauerhaft wirken
ReklamationskostenSumme aller Kosten je Monat, intern und vom Kunden belastetWas Fehler das Unternehmen kosten

Fiktives Beispiel: ein Monat in Zahlen

Ein erfundener Drehteile-Zulieferer mit 60 Beschäftigten hat im September 420.000 Teile an vier Kunden geliefert und drei Kundenreklamationen erhalten.

ppm im September: (1.200 + 35 + 0) ÷ 420.000 × 1.000.000 = 2.940 ppm. Fall A allein macht 1.200 ÷ 420.000 × 1.000.000 = 2.857 ppm aus. Wer nur die Monatszahl sieht, hält den Betrieb für schlecht; wer die Fälle sieht, erkennt einen einzelnen großen Fehler mit einer Ursache.

Reaktionszeit D3: Zwei von drei Fällen lagen innerhalb von 24 Stunden. Fall C ging am Donnerstag um 15 Uhr ein; Lager und Versand arbeiten nur in der Frühschicht, die betroffene Gitterbox wurde erst am Freitagabend beim Kunden gefunden und neu etikettiert. Die Abhilfe ist keine Schulung, sondern eine benannte Vertretung in der Spätschicht, die Bestände sperren und Rücksendungen auslösen darf.

Termintreue und Rückweisung: Fall B wurde zurückgewiesen, weil D4 nur erklärte, wie der Kratzer entstand, nicht, warum die Endprüfung ihn nicht fand. Das kostete vier Arbeitstage. Die häufigsten Gründe für solche Rückweisungen stehen unter 8D-Report Rückweisung.

Durchlaufzeit: im Mittel (18 + 12 + 4) ÷ 3 = 11,3 Arbeitstage. Fall A dauert am längsten, weil die Wirksamkeit über zwei Werkzeugwechsel nachgewiesen werden musste. Das ist richtig so und kein Grund zur Eile.

FallFehlern. i. O.-TeileReaktionszeit D3Abschluss D8 nachRückweisung
AInnengewinde M8 zu eng, Gewindelehrdorn (Gutseite) geht nicht1.2006 Stunden18 Arbeitstagennein
BKratzer auf der Dichtfläche3520 Stunden12 Arbeitstagenja, D4 einmal zurückgewiesen
CFalsches Etikett an einer Gitterbox, Teile selbst i. O.030 Stunden4 Arbeitstagennein

Typische Engpässe und was hilft

Die folgenden Engpässe kommen in kleinen und mittleren Betrieben immer wieder vor. Keiner davon lässt sich mit mehr Disziplin lösen; jeder braucht eine Regel oder ein Hilfsmittel.

  • Keine Fehlerteile: Ohne beanstandete Teile bleibt die Analyse Vermutung. Fordern Sie bei Eingang drei bis fünf Fehlerteile an und, wenn möglich, zwei Gutteile aus derselben Lieferung zum Vergleich.
  • Sperrung unvollständig: Vergessen werden meist Ware im Versandbereich, Ware unterwegs, Konsignations- und Außenlager, Teile beim Beschichter und Teile in der Nacharbeit. Eine feste Ortsliste in der Reklamationsvorlage hilft.
  • Analyse nur am Auftreten: Jeder Fehler hat zwei Ursachen – warum er entstand und warum er nicht entdeckt wurde. Fehlt die zweite, kommt der Bericht zurück.
  • Maßnahmen am Menschen: »Mitarbeiter unterwiesen« oder »Aufmerksamkeit erhöht« verhindert keinen Fehler auf Dauer. Kunden akzeptieren das selten als Abstellmaßnahme.
  • Keine Übertragung: Die Maßnahme wirkt an Maschine 3, der Fehler kommt von Maschine 5 zurück. Fragen Sie bei jeder Maßnahme: Wo gibt es dasselbe Risiko noch?
  • Fristen über Feiertage und Brückentage: Die Frist läuft weiter, auch wenn der halbe Betrieb fehlt. Vertretung und offene Fristen vor dem Urlaub klären.
  • Kosten bleiben liegen: Stunden und Belege werden nicht gesammelt, die Belastung des Kunden kommt nach drei Monaten und ist nicht mehr nachprüfbar. Kosten laufend je Reklamationsnummer erfassen, siehe Reklamationskosten.
  • Wissen im Postfach: Fotos, Messprotokolle und Absprachen liegen in persönlichen E-Mails. Ein Ordner je Reklamationsnummer, auf den die Vertretung zugreifen kann, verhindert das.

Hilfsmittel: Liste, Bericht, Prüfung vor dem Versand

Für bis zu etwa zwei Dutzend Reklamationen im Jahr reicht eine gut geführte Liste mit einer Zeile je Fall. Eine Vorlage mit allen Spalten finden Sie unter Reklamationsmanagement-Excel-Vorlage. Wichtig sind eindeutige Nummern, Fristen als Datum und ein Status mit wenigen Werten: »offen«, »wartet auf Kunde«, »abgeschlossen«.

Der 8D-Bericht selbst folgt einem festen Aufbau von D1 bis D8; Aufbau und Beispiel stehen unter 8D-Report-Vorlage. Ausfüllen und als PDF drucken können Sie ihn mit dem 8D-Report-Werkzeug. Vor dem Versand lohnt ein Abgleich mit dem 8D-Check, der den Bericht gegen häufige Rückweisungsgründe prüft.

Für Reklamationen, die Sie selbst an Ihre Lieferanten richten, gibt es eine eigene Vorlage unter Reklamation an den Lieferanten. Was die ersten Stunden nach dem Eingang einer Kundenreklamation angeht, hilft die Checkliste unter Kundenreklamation bearbeiten.

Wann eine Liste nicht mehr reicht, zeigt sich an drei Zeichen: Fristen werden verpasst, weil niemand den Überblick hat; die Frage »Hatten wir das schon einmal?« lässt sich nicht in wenigen Minuten beantworten; die Kennzahlen kosten jeden Monat einen halben Tag Handarbeit.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Reklamationsmanagement und 8D?

8D ist die Methode, mit der ein einzelner Fehler gelöst und dem Kunden berichtet wird. Reklamationsmanagement ist der ganze Prozess darum herum: Erfassung, Fristen, Rollen, Kosten, Kennzahlen und das Lernen über alle Fälle hinweg. Nicht jede Reklamation braucht einen 8D – ein falsches Etikett lässt sich oft mit einer kurzen Stellungnahme schließen, wenn der Kunde zustimmt.

Welche Fristen gelten für eine Kundenreklamation?

Die Fristen setzt der Kunde. Verbreitet sind 24 Stunden für die Sofortmaßnahmen (D3), 5 Arbeitstage für die Ursachenanalyse (D4) und 10 Arbeitstage für die Abstellmaßnahmen (D5/D6). Das sind verbreitete Vorgaben, keine Norm; maßgeblich ist, was in Ihrer Qualitätssicherungsvereinbarung oder in der Reklamation steht.

Wer sollte im Kleinbetrieb das Reklamationsmanagement verantworten?

Eine Person, die mit dem Kunden spricht und die Fristen hält – meist aus der Qualität. Entscheidend ist eine benannte Vertretung mit Zugriff auf alle Unterlagen. Die Analyse selbst macht das Team mit Fertigung und Technik; eine Einzelperson findet Ursachen im Prozess selten allein.

Wie berechne ich ppm für Reklamationen?

Fehlerhafte Teile geteilt durch gelieferte Teile im selben Zeitraum, mal 1.000.000. Beispiel: 35 n. i. O.-Teile bei 120.000 gelieferten Teilen ergeben 35 ÷ 120.000 × 1.000.000 = 292 ppm. Klären Sie mit dem Kunden, ob er nur die fehlerhaften Teile oder die ganze beanstandete Menge zählt.

Wann ist eine Reklamation abgeschlossen?

Wenn der Kunde den 8D-Bericht angenommen hat, die Wirksamkeit der Maßnahmen belegt ist, die Sofortmaßnahmen geordnet aufgehoben sind und die Kosten geklärt sind. Ein verschickter Bericht allein ist kein Abschluss.

Die nächste Reklamation kommt bestimmt.

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